Klassenfahrten ins europäische Ausland

Ausländische Schülerinnen und Schüler, die nicht im Besitz der Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Union sind (Drittstaater), sich in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten und hier die Schule besuchen, benötigen in vielen Fällen neben dem für einen Grenzübertritt erforderlichen Passpapier bei der Einreise in unsere Nachbarstaaten ein Visum. Ein solches Visum ist vor der Einreise bei der Auslandsvertretung des zu besuchenden Staates in Deutschland einzuholen.

Stellen Sie als verantwortliche Lehrkraft deshalb zunächst fest, welchen Aufenthaltsstatus die Kinder Ihrer Klasse haben, ob sich Asylberechtigte unter den Kindern befinden und welchen Nationalitäten sie angehören. Die Definitionen der Begriffe finden Sie am Ende dieser Seite.

Reiseerleichterungen bei Klassenreisen in Mitgliedsländer der EU

Die EU-Mitgliedsstaaten (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien - Stand 31.10.2002) haben für Klassenreisen allgemein bildender Schulen die so genannte Reisendenliste entwickelt.

Schülerinnen und Schüler aus Drittstaaten (also aus Ländern, die nicht Mitglied der EU sind), die in Deutschland ihren gesetzmäßigen Wohnsitz haben, benötigen für die Einreise in oder die Durchreise durch einen anderen Mitgliedsstaat der EU kein Visum mehr, wenn sie in einer solchen Liste eingetragen sind.

Ist die Reisendenliste mit Passfotos der Reisenden versehen, so ersetzt sie sogar den Pass. Inhaberinnen und Inhaber einer Aufenthaltsgenehmigung benötigen und erhalten keine Reisendenliste für Reisen, die direkt in einen EU-Mitgliedsstaat führen, der zugleich Schengen-Staat ist.

Reisendenlisten werden von der Ausländerbehörde ausgestellt und sollten rechtzeitig vor Reisebeginn beantragt werden. Die Ausländerbehörde benötigt folgende Angaben und Unterlagen:

  • Name und Anschrift der Schule
  • Namen und Vornamen aller Reisenden (auch der begleitenden Lehrkräfte)
  • zusätzlich Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit und nach Möglichkeit aufenthaltsrechtlichen Status derjenigen ausländischen Schülerinnen und Schüler, die aus Drittstaaten stammen
  • Passfoto dieser Schülerinnen und Schüler

Neben der Visumfunktion erfüllt diese Liste in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Aufgabe des Passersatzpapieres (Passfoto erforderlich), wenn sich eine entsprechende Bestätigung der Ausländerbehörde auf dem Vordruck befindet.

Ungeklärt ist noch die Frage, ob die Reisendenliste auch in den Staaten gilt, die am 01.05.2004 bzw. am 1.1.2007 der EU beigetreten sind.
Bei Planung einer Klassenfahrt sollte daher unbedingt mit der Botschaft des jeweiligen Landes Kontakt aufgenommen werden, um dies abzuklären.

Vertretungen fremder Staaten


Achtung Italienreisende:
Die Schweiz ist nicht EU-Staat. Bei Durchreisen ist gegebenenfalls ein Visum notwendig. Sprechen Sie bitte rechtzeitig die schweizerische Vertretung an! Durch den Beitritt der Schweiz zum Schengener Abkommen, ist keine Liste erforderlich, wenn ein noch mindestens 3 Monate gültiger Aufenthaltstitel vorhanden ist.

Gebühren:

Für jeden Ausländer, auf den sich die Bestätigung bezieht, beträgt die Verwaltungsgebühr 5 €, bei Minderjährigen 2,50 € (§ 48 AufenthV)

 

Aufenthaltsstatus und Reisen:

Reisebeschränkung bei Aufenthaltsgestattung 

Schülerinnen und Schüler, die sich in einem noch nicht vollziehbar abgeschlossenen Asylverfahren befinden, haben eine Aufenthaltsgestattung.

Beispiel:
Die Aufenthaltsgestattung ist räumlich beschränkt auf Stadt oder Landkreis Kassel. Diese räumliche Beschränkung ist in der Bescheinigung eingetragen. Schülerinnen und Schülern, die lediglich über eine Aufenthaltsgestattung verfügen, ist es ohne Genehmigung nicht erlaubt Hessen bzw. den Regierungsbezirk Kassel zu verlassen.

Die Ausländerbehörde kann das Verlassen des zugewiesenen Bereichs genehmigen, wenn die Versagung der Erlaubnis eine unbillige Härte darstellen würde. Für Ausflüge oder Klassenreisen innerhalb Deutschlands erteilt die Ausländerbehörde Genehmigungen im Regelfall problemlos.

Auch für Auslandsreisen kann eine Genehmigung erteilt werden. Da es hier eine Vielzahl von Einzelheiten zu beachten gibt, empfiehlt sich eine sehr frühzeitige Kontaktaufnahme zur Ausländerbehörde und zur Botschaft des Ziel - und Transitlandes.
Ausländische Vertretungen in Deutschland

Reisebeschränkung bei Duldung

Schülerinnen und Schüler haben eine Duldung, wenn sie ausreisepflichtig sind, ihre Ausreisepflicht aber derzeit aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht durchgesetzt werden kann.

Die Duldung wird von der Ausländerbehörde ausgestellt. Sie wird in Form eines Klebeetiketts in den Nationalpass eingeklebt oder als gesonderte Bescheinigung ausgestellt.

Die Duldung ist räumlich beschränkt auf Stadt oder Landkreis Kassel. Diese räumliche Beschränkung ist in der Bescheinigung eingetragen. Schülerinnen und Schülern, die nur über eine Duldung verfügen, ist es im Grundsatz nicht erlaubt, den Geltungsbereich der Duldung zu verlassen.

Die Ausländerbehörde kann aber das Verlassen des zugewiesenen Bereiches innerhalb Deutschlands für Ausflüge oder Klassenreisen genehmigen. Auch für Auslandsreisen besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass die Teilnahme durch die Ausländerbehörde ermöglicht wird.

Reisen mit Asylberechtigten oder sonstigen anerkannten politisch Verfolgten

Asylbewerber, deren Asylberechtigung beim Bundesamt oder durch Gerichtsentscheidung anerkannt worden ist, werden als Asylberechtigte bezeichnet. Sie erhalten eine Aufenthaltserlaubnis.

Die Aufenthaltserlaubnis wird von der Ausländerbehörde ausgestellt. Sie ist nicht in einen Nationalpass, sondern in den Reiseausweis für Flüchtlinge eingeklebt.

Räumliche Beschränkungen gibt es hier nicht. Durch eine Reise in das Herkunftsland (den sogenannten Verfolgerstaat) kann jedoch die Asylberechtigung erlöschen. Die Ausweispapiere dieser Personen enthalten daher regelmäßig einen Hinweis, dass sie im Verfolgerstaat nicht gelten ("Gültig für alle Staaten ausgenommen ...").

Klassenreisen in das Herkunftsland eines politisch Verfolgten oder anerkannten Asylberechtigten verbieten sich deshalb schon im Interesse des jeweiligen Kindes.