Familiennachzug

AufenthG: Abschnitt 6 Aufenthalt aus familiären Gründen

Wie auch schon nach dem Ausländergesetz können grundsätzlich nur Ehegatten und minderjährige Kinder nachziehen.

Für eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gelten die Regeln über den Familiennachzug entsprechend.

Der Nachzug sonstiger Familienangehöriger steht wie bisher im Ermessen der Behörde und kann nur zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte zugelassen werden.

Für die Einreise und den Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland benötigen ausländische Staatsangehörige in der Regel ein Visum, das bei der deutschen Auslandsvertretung (Botschaft oder Generalkonsulat) im Heimatland beantragt werden muss.

Nach der Einreise müssen sich die ausländischen Familienangehörigen innerhalb einer Woche bei der Meldebehörde anmelden und innerhalb der Gültigkeitsdauer des Visums rechtzeitig bei der Ausländerbehörde einen Antrag auf Erteilung der Aufenthaltserlaubnis stellen.

 

Übersicht:  

  1. Familiennachzug zu Deutschen

  2. Familiennachzug zu Ausländern

  3. Familiennachzug aus humanitären Gründen

  4. Nachzug minderjähriger Kinder

  5. Eigenständiges Aufenthaltsrecht

  6. Allgemeines
    (Deutschkenntnisse, Legalisation von Urkunden, Migrationsberatung, Links)

 

Familiennachzug zu Deutschen  

Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis, wenn Sie

  • Ehegatte eines Deutschen oder
  • minderjähriges, lediges Kind eines Deutschen oder
  • ein Elternteil eines minderjährigen, ledigen deutschen Kindes sind, für das Sie die Personensorge ausüben und
  • Ihr deutscher Familienangehöriger seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat, also hier lebt. 

Sind Sie für Ihr minderjähriges, deutsches Kind nicht sorgeberechtigt, kann die Ausländerbehörde Ihnen die Aufenthaltserlaubnis erteilen, wenn Sie mit Ihrem Kind schon in einer familiären Gemeinschaft - das heißt als Beistands- und Betreuungsgemeinschaft – in Deutschland zusammenleben.

Sie müssen in der Regel nicht nachweisen, dass Ihr Lebensunterhalt gesichert ist.

Die Aufenthaltserlaubnis enthält von Anfang an den Vermerk, dass Sie arbeiten dürfen.

Wenn Sie seit drei Jahren im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis waren, die familiäre Lebensgemeinschaft mit Ihrem deutschen Familienangehörigen in Deutschland fortbesteht, bei Ihnen kein Ausweisungsgrund vorliegt und Sie sich auf einfache Art in deutscher Sprache verständigen können, wird Ihnen in der Regel eine Niederlassungserlaubnis erteilt.

Ehefragen - Ehen zwischen Deutschen und Ausländern

 

Familiennachzug zu Ausländern   

Voraussetzung ist in der Regel, dass

Ihr nachziehender Familienangehöriger muss die allgemeinen Voraussetzungen für Aufenthalt und Einreise erfüllen, es sei denn, die Vorschriften über den Familiennachzug enthalten abweichende Regelungen. 

Die Aufenthaltserlaubnis kann Ihren Familienangehörigen versagt werden, wenn Sie für den Unterhalt von Ihren Familienangehörigen oder Haushaltsangehörigen Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen. Das gilt allerdings nicht für Asylberechtigte, Konventionsflüchtlinge und Inhaber einer Niederlassungserlaubnis aus humanitären Gründen. Gehören Sie einer dieser Gruppen an, kann die Ausländerbehörde Ihnen den Familiennachzug Ihres Ehepartners bzw. Lebenspartners und Ihrer minderjährigen Kinder auch dann erlauben, wenn Sie nicht über ausreichenden Wohnraum verfügen oder nicht zur Sicherung des Lebensunterhaltes in der Lage sind.

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Familiennachzug aus humanitären Gründen   

Wenn Ihnen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wurde,

  • weil Sie aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen aus dem Ausland aufgenommen worden sind oder
  • weil Ihnen der Aufenthalt durch Entscheidung der obersten Landesbehörden gewährt wurde oder
  • weil Sie Schutz im Falle eines festgestellten Abschiebungsverbotes genießen,

darf die Ausländerbehörde Ihren Familienangehörigen nur dann eine Aufenthaltserlaubnis erteilen, wenn völkerrechtliche oder humanitäre Gründe bestehen oder politische Interessen der Bundesrepublik zu wahren sind. 

Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, haben Sie Anspruch auf Nachzug Ihres Ehegatten, Ihrer minderjährigen Kinder und der minderjährigen Kinder Ihres Ehegatten, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Ihre familiäre Lebensgemeinschaft muss schon im Herkunftsland bestanden haben und durch die Fluchtsituation aufgehoben worden sein und
  • Ihr Familienangehöriger muss aus einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union übernommen worden sein. Befindet er sich außerhalb der Europäischen Union, muss er schutzbedürftig sein.

Die allgemeinen Voraussetzungen für die Erteilung eines Aufenthaltstitels müssen nicht vorliegen. Es schadet auch nicht, wenn der Ausländer, zu dem der Nachzug erfolgen soll, für andere ausländische Familienangehörige oder Haushaltsangehörige auf Sozialhilfe angewiesen ist.

Die nachgezogenen Familienangehörigen erhalten ebenfalls eine Aufenthaltserlaubnis zwecks Gewährung vorübergehenden Schutzes.

Familiennachzug wird nicht gewährt für Inhaber einer Aufenthaltserlaubnis, die

  • nur für einen vorübergehenden Aufenthalt aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen (§ 24 und § 25 Abs. 4 AufenthG) oder

  • erheblichen öffentlichen Interessen oder

  • nur aufgrund der unmöglichen Ausreise (§ 25 Abs. 5 AufenthG) erteilt wurde.

 

Nachzug minderjähriger Kinder   

Das Alter, bis zu dem Kinder nach Deutschland ziehen können, ist nicht abgesenkt worden. 

Für Kinder von Asylberechtigten und von Flüchtlingen nach der Genfer Flüchtlingskonvention, die entweder eine Niederlassungserlaubnis oder eine Aufenthaltserlaubnis besitzen, besteht der Anspruch auf Nachzug bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres. Die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis ist bei diesen Personengruppen ist auch möglich, selbst wenn weder der Lebensunterhalt gesichert noch ausreichender Wohnraum vorhanden ist. 

Minderjährige, ledige Kinder, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, steht ein Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis zu, wenn beide Eltern oder der allein personensorgeberechtigte Elternteil eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Niederlassungserlaubnis besitzen. Hat das Kind das 16. Lebensjahr, aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet, hat es ebenfalls einen Anspruch, wenn eine der folgenden weiteren Voraussetzungen erfüllt ist:

  • entweder das Kind verlegt zusammen mit seinen Eltern seinen Lebensmittelpunkt in das Bundesgebiet oder
  • das Kind beherrscht die deutsche Sprache oder
  • es muss als gewährleistet erscheinen, dass das Kind sich auf Grund seiner bisherigen Ausbildung und Lebensverhältnisse in hiesige Lebensverhältnisse einfügen kann.

Über die Anspruchsfälle hinaus kann die Ausländerbehörde den Nachzug von minderjährigen Kindern zulassen, wenn es im Einzelfall zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich ist. Dabei sind das Kindeswohl und die familiäre Situation zu berücksichtigen. 

Kindern, die im Bundesgebiet geboren sind, ist von Amts wegen eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, wenn die Mutter eine Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis besitzt.

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Eigenständiges Aufenthaltsrecht  

Nach dem Aufenthaltsgesetz steht Ehegatten im Falle der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft ein eigenständiges Aufenthaltsrecht zu,

  • wenn die eheliche Lebensgemeinschaft seit mindestens drei Jahren rechtmäßig in Deutschland bestanden hat,
  • wenn der andere Ehepartner gestorben ist, während die eheliche Lebensgemeinschaft in Deutschland bestanden hat, oder wenn die eheliche Lebensgemeinschaft zwar nicht zwei Jahre rechtmäßig in Deutschland bestanden hat, aber es zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich ist, dem Ehegatten den weiteren Aufenthalt zu ermöglichen, und
  • sofern der andere Ehepartner beim Eintritt der jeweiligen vorgenannten Voraussetzung die Aufenthaltserlaubnis oder die Niederlassungserlaubnis besessen hat.

In diesen Fällen hat der Ehegatte unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage einen Anspruch auf die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Weitere Verlängerungen können von der Sicherung des Lebensunterhaltes abhängig gemacht werden.

Lebenspartner haben unter den gleichen Voraussetzungen ebenfalls einen Anspruch auf ein eigenständiges Aufenthaltsrecht.

Die im Rahmen des eigenständigen Aufenthaltsrechts erteilte Aufenthaltserlaubnis berechtigt zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit.

Ihr Kind erhält dann ein eigenständiges Aufenthaltsrecht in Form einer Niederlassungserlaubnis, wenn es an seinem 16. Geburtstag seit fünf Jahren im Besitz der Aufenthaltserlaubnis ist.


Die Niederlassungserlaubnis wird Ihrem nachgezogenen Kind auch erteilt,

  • wenn es volljährig und seit fünf Jahren im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis ist,
  • über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt und
  • sein Lebensunterhalt gesichert ist.

Von der letzten Voraussetzung wird abgesehen, wenn es sich in einer Ausbildung befindet, die zu einem Bildungsabschluss (durch staatliche oder staatlich anerkannte Prüfungen abgeschlossen) führt.

 

Allgemeines  

§ 27 Abs. 1a AufenthG:

Ein Familiennachzug wird nicht zugelassen, wenn

1. feststeht, dass die Ehe oder das Verwandtschaftsverhältnis ausschließlich zu dem Zweck geschlossen oder begründet wurde, dem Nachziehenden die Einreise in das und den Aufenthalt im Bundesgebiet zu ermöglichen, oder

2. tatsächliche Anhaltspunkte die Annahme begründen, dass einer der Ehegatten zur Eingehung der Ehe genötigt wurde.

 

Personenstandsrecht (Eheschließung, Scheidung)


Deutschkenntnisse

Nach der neuesten Fassung des Aufenthaltsgesetzes müssen ausländische Ehepartner, die nach Deutschland ziehen möchten, schon bei der Beantragung des Visums einfache Deutschkenntnisse nachweisen.
Deutschkenntnisse
Fragen und Antworten des Goethe-Institutes
Sprachkenntnisse
aktuell:
EuGH erklärt die Sprachanforderungen beim Ehegattennachzug zu türkischen Selbstständigen für europarechtswidrig


Legalisation von Urkunden  

Bei ausländischen Urkunden wird ein Legalisationsvermerk sowie eine beglaubigte deutsche Übersetzung benötigt, sofern es sich nicht um eine internationale Urkunde handelt.

Die Legalisation dient als eine besondere Art der Beglaubigung dem Zwecke, den Behörden und Gerichten im Inland die bessere Beurteilung von Originalen ausländischer Urkunden zu ermöglichen. Der Legalisationsvermerk der Botschaft bestätigt die Echtheit der Unterschrift und die Funktion des Ausstellers sowie die Echtheit des verwendeten Dienstsiegels und erfolgt - ausschließlich - auf dem Original.

Legalisation und Apostille für ausländische öffentliche Urkunden zur Verwendung in Deutschland
Internationaler Urkundenverkehr (Informationen des Auswärtigen Amtes)


siehe auch:
Eheschließung in Deutschland / Ausland
Migrationsberatung
Integration
Eheschließung/Ehegattennachzug

Links:
Willkommen in Deutschland (BAMF)
Broschüre: Willkommen in Deutschland - Informationen für Zuwanderer
Justlanded (Wegweiser)
Willkommen in Hessen. Tipps für den erfolgreichen Familiennachzug (Broschüre )
Familien-Wegweiser
Verband binationaler Familien
www.iss-ger.de (Internationaler Sozialdienst)

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